Am vergangenen Wochenende fand ein Vortrag unter dem Motto „Warum Tierschutz nicht nachhaltig ist“ in Berlin statt, der für uns als einen Berliner Tierschutzverein sehr wohl als Angriff verstanden werden kann. Diesen Anlass möchten wir nutzen, um einige Gedanken anzuregen und uns vorzustellen. Einige Sätze aus unserem Leitsatz als Verein lauten wie folgt:

„Der ‚Aktive Tierschutz Berlin e.V.‘ ist ein bunter Zusammenschluss sehr unterschiedlicher Menschen, die ein gemeinsames Ziel eint: Der Kampf für die Rechte der Tiere. Der Aktive Tierschutz Berlin versteht sich als Sprachrohr für alle Lebewesen und Mitgeschöpfe, die sich nicht allein zu Wort melden können“

Unterscheidungsmerkmale wie die Spezies eines Individuum sollten kein Ausschlusskriterium sein um geschützt zu werden, egal ob Rinder, Schweine, Hühner oder Ratten.

„Nur das Handeln aus der eigenen Erkenntnis heraus ist nachhaltig und für den Fortbestand von Mensch und Tier unverzichtbar.“

Damit bringen wir zum Ausdruck, dass gesetzliche Normen und Verbindlichkeiten für unsere Gesellschaft zwar wichtig sind, jedoch eine wirkliche Veränderung am besten aus sich selbst heraus geschehen sollte. Sei es durch zwischenmenschliche/zwischentierische Werte, die man als Kind gelehrt bekommen hat oder durch eine andauernde moralische Reifung.

„Es gibt viele Gründe aktiven Tierschutz zu betreiben. Gründe, warum wir für die Rechte der Tiere kämpfen.“

Warum sollte es also für einen Tierschützer ausgeschlossen sein, für Tierrechte einzustehen und Teil dieser modernen fortschreitenden Bewegung zu sein? Niemand wird abstreiten, dass sich die Ziele des Tierschutzes in den letzten Jahrzenten deutlich verschoben haben. Man forderte einst größere Ställe oder eine reformierte Schlachtung. In der heutigen Zeit fordern Tierschutzvereine wie der ‚Aktive Tierschutz Berlin e.V.‘ jedoch die Etablierung grundlegender Tierrechte, wie beispielsweise das unbedingte Lebensrecht wie 1983 von Tom Regan beschrieben.

Wenn man sich den Begriff Schutz im Duden anschaut, stößt man auf folgende Bedeutungsübersicht:

„…etwas, was eine Gefährdung abhält oder einen Schaden bewahrt.“

Der Schaden der den Tieren jeden Tag zu Millionen angetan wird ist vor allem der Entzug der Freiheit, die gesundheitliche Schädigung und letzendlich der Tod, vor dem wir sie als Tierschützer bewahren sollten. Die Synonyme Bewahrung (des Lebens) Hilfe (gegen Ausbeutung) Sicherheit (ihrer körperlichen Unversehrtheit) machen deutlich, dass sehr wohl auch Tierrechtsaktivisten vom Schutz der Tiere sprechen können und sollten anstatt ihn anzugreifen und versuchen zu erklären, dass dieser nicht nachhaltig sei.

 

Nachfolgend möchten wir an einigen Beispielen aus anderen gesellschaftlichen Bereichen fest machen, dass auch die Begrifflichkeit des Schutzes sehr wohl ganzheitlich gemeint sein kann und nicht zwangsläufig reformistischer Bedeutung sein muss. Auch der Tierschutz kann unserer Auffassung nach abolitionistisch  sein.

  • Kinderschutz: Der Kinderschutz ist ein Sammelbegriff für rechtliche Regelungen sowie für Maßnahmen von staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen, die dem Schutz von Kindern vor Schäden und Beeinträchtigungen dienen sollen, wie altersunangemessene Behandlung, Übergriffe und Ausbeutung, Verwahrlosung, Krankheit und Armut. Kein Kinderschützer dieser Welt würde fordern, dass die Kinder nur noch ein bisschen ausgebeutet, ein klein wenig verwahrlost oder etwas misshandelt werden sollen.
  • Katastrophenschutz/Zivilschutz: In einem Verteidigungs oder Spannungsfall beispielsweise kriegerischen Auseinandersetzungen greift der so genannte Zivilschutz. Bei einer Naturkatastrophe beispielsweise einer Überflutung greift der Katastrophenschutz. Diese dienen dazu, dass Schaden von der zivilen Bevölkerung abgewendet werden soll. Hierbei geht es nicht darum den Schaden zu regulieren sondern bestenfalls abzuwenden auch wenn dies in der Praxis leider nicht immer möglich ist.
  • Impfschutz: Man mag zu einer Impfung stehen wie man will und sicher ist es ein großes Streitthema, ob dieser Schutz nicht nur deshalb eingeführt wurde um die Pharma Lobby zu bereichern, doch im Impfschutz geht es sicher nicht darum nur noch ein bisschen krank zu werden.
  • Personenschutz: Im Personenschutz ist es die höchste Aufgabe unter Einbeziehung des eigenen Lebens das Leben seiner Schutzperson zu bewahren. Im Tierschutz ist der Auftrag identisch, nur mit dem Unterschied, dass unsere Schutzpersonen die Tiere sind und ihnen der tatus einer natürlichen Person noch anerkannt werden muss.

Wir bedauern sehr, dass viele Menschen diese doch sehr einfache Klassifikation vornehmen nach dem Motto: Die Tierschützer wollen Tiere weiterhin ausbeuten und nur die Haltungsbedingungen verbessern. Die Tierrechtler seien die einzige, die die Tierausbeutung in seiner Gänze abschaffen wollen. Macht man es sich hiermit nicht etwas zu einfach?

Worauf es wirklich ankommt ist nicht die eigene Klassifikation, sondern lediglich die Position die man vertritt. Das Ziel, welches man sich selbst als Person oder Organisation gesetzt hat. Unsere Position ist klar und soll mit folgendem Satz zum Ausdruck gebracht werden:

Der ‚Aktive Tierschutz Berlin e.V.‘ schützt Tiere, indem er grundlegende, unbedingte Tierrechte fordert.

Wir machen uns stark, für die, die keinen Schutz genießen: Tiere in Nutz- und Unterhaltungsindustrie!